OFDB Filmkritiken:
Jesse Eisenberg ist ohne Zweifel der Nerd der Stunde. Mit schöner Regelmäßigkeit gibt er schüchterne, verschroben-spleenige, aber im Kern liebenswerten Losertypen und/oder Außenseiter. Die einzige Variation seiner Rollen besteht eigentlich nur darin, dass er irgendeine dieser Charaktereigenschaften weglässt bzw. diese unterschiedlich gewichtet. Mit jeder weiteren ähnlich gelagerten Rolle wächst dabei natürlich die Gefahr in die Nerd-Schublade gesteckt zu werden.
Dabei hat Eisenberg unlängst bewiesen, dass er durchaus mehr zu bieten hat als den netten Verlierer von nebenan. In David Finchers The Social Network lotet er mit einer famosen Darstellung des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg erstmals auch die dunklen Seiten einer solchen Persönlichkeit aus. Da mutet es fast schon wie ein überflüssiger Rückschritt an, für seinen Zombieland-Regisseur Ruben Fleischer erneut die ausgelatschten Loser-Schuhe zu schnüren.
Denn Pizzabote Nick ist ein typischer Eisenberg Antiheld der „Pre-Social-Network"-Phase. Während sein bester Freund Chet bereits einen anständigen Beruf ausübt und seine Jugendliebe den Karriereschritt in die Metropole Atlanta plant, lebt Nick in den wenig ereignisreichen Tag hinein. Seine größte berufliche Herausforderung besteht darin, die Werbegagvorgabe seines Bosses zu unterbieten und seine Pizzen in weniger als 30 Minuten auszuliefern. Braucht er länger, muss der Kunde nicht zahlen. Seine privaten Höhepunkte sind ähnlich gehaltvoll und bestehen bevorzugt aus dem simultanen Konsum von Actionfilmen und Gerstensaft aus Dosen.
Dass es diesmal trotz deutlich zu spürender Redundanz noch einmal funktioniert, liegt zunächst einmal an Eisenbergs außergewöhnlicher Fähigkeit seinen Figuren eine verblüffend lebensnahe Authentizität zu verpassen und diese mit einer fein austarierten Mischung aus Tragik und Komik zu veredeln. Die Kunst besteht hauptsächlich darin weder auf die Tränendrüse zu drücken, noch die Figur der Lächerlichkeit preiszugeben. Ein weiteres Plus, das von der typischen Eisenberg-Rolle ablenkt, ist die originelle Story-Grundidee des Films.
30 Minuten oder weniger ist ein wilder Mix aus schwarzhumoriger Komödie, Räuberpistole und Actionfilm. Das hört sich konzeptionell kruder an, als es im Endeffekt dann ist. Da sämtliche Ingredienzien für sich genommen einigermaßen ernsthaft angegangen und nicht verwürzt im Sinne von völlig überdreht werden, ist das Gesamtmenü recht schmackhaft, wenn auch auf Fast-Food-Niveau. Ebenso schnell vergessen wie konsumiert. Die Ausgangssituation jedenfalls ist durchaus appetitanregend.
Dwayne - ganz von der eigenen Cleverness überzeugt - heuert über eine Stripperin den Auftragskiller Chango (Michael Pena) an. Dessen Honorar von 10 000 Dollar soll durch einen Banküberfall beschafft werden. Auch da soll sich natürlich ein anderer die Hände schmutzig machen und so locken Dwayne und sein noch debilerer Kumpel Travis (Nick Swardson) den ahnungslosen Nick in die Falle. Getarnt durch Affenmasken verpassen sie Nick einen Sprengstoffgürtel mit Fernzünder und zwingen ihn zu dem benötigten Überfall. Der verzweifelte Nick kann schließlich mit einiger Mühe seinen Freund Chet (Aziz Ansari) zur Mithilfe überreden. Gemeinsam machen sie sich an den irrwitzigen Auftrag, der von Anfang an alles andere als nach Plan verläuft ...
Während in der ersten Filmhälfte sämtliche Charaktere ihre häufig unnötig zotige Einführung bekommen und dabei - vor allem in Dwaynes Fall - keineswegs jeder Gag sitzt, nimmt der Film mit Nicks unfreiwilliger Rekrutierung gehörig Fahrt auf und wartet mit geballter und meist auch treffsicherer Situationskomik auf. Darstellerisch weiß eigentlich nur Eisenberg einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, das dafür aber gewohnt gekonnt. Mit der für ihn typischen Mischung aus Ernsthaftigkeit und Chaotentum ist er nicht nur emotionales Zentrum des Films, sondern auch Bindeglied zwischen den ansonsten recht reißbrettartig gezeichneten Figuren und der einzig wirkliche Sympathieträger.
30 Minuten oder weniger bietet sicher mehr Rasanz als Substanz und leider auch mehr Banalität als Subtilität. Dass dabei trotzdem ein recht kurzweiliger Spass herausspringt, liegt sowohl an der Fähigkeit von Regisseur Ruben Fleischer die unterschiedlichen Genrefäden nicht zu verheddern, wie auch an der engagierten Vorstellung von Hauptdarsteller Jesse Eisenberg. Der auf sympathisch-verschrobene Spinner abonnierte Jungstar bewegt sich zwar mal wieder auf gewohntem Rollen-Terrain, bleibt dabei aber immer noch so authentisch, dass man gerne zusieht. Sonderlich erinnernswert ist das Ganze nicht, für mehr als 30 Minuten Halbwertszeit dürfte es aber dann doch noch reichen.