OFDB Filmkritiken:
“Ihr Sperma besitzt eine außerordentlich hohe Qualität” – die Worte des Vertreters der Klinik, in der David Wozniak seinerzeit des Öfteren (693 Mal, um genau zu sein) sein Sperma gespendet hat, weil er knapp bei Kasse war, brachten dem chronisch verschuldeten Typen nicht nur 24.252$ ein, sondern auch eine Klage von 142 der aus den Spenden hervorgegangenen Kinder. Diese fechten die Anonymitätsklausel an, die David jedes Mal unterschrieben hat, und wollen nun wissen, wer er wirklich ist. Sein Anwalt, Freund und vierfacher Familienvater überreicht ihm infolgedessen einen Umschlag mit den 142 Profilen derer, die ihren biologischen Vater kennenlernen wollen. Mit den Worten: “NICHT ÖFFNEN!” schickt er ihn nach Hause. Kaum dort angekommen, fischt David einen Zettel aus dem Umschlag und sucht den Jungen beim Basketballspiel auf. Fortan nimmt er sich vor, alle 142 etwas näher kennen zu lernen, ihnen aus der Anonymität heraus zu helfen oder nahe zu sein. Natürlich wird der kindsköpfige Holdrio nach und nach zum verantwortungsbewussten Menschen und KÖNNTE vielleicht doch der richtige Vater für das Kind sein, das seine Ex-Partnerin gerade bekommt …
Bis auf die kleinsten Details (kaputtes Fahrrad, “Yo No Soi David Wozniak”) genau inszeniert Ken Scott, der Regisseur des franko-kanadischen Komödienhits Starbuck, seinen eigenen Film nach amerikanischen Regeln neu. Was zwangsläufig hinten rüberfällt sind die frechen, pikanten Zwischen- und Untertöne, die in Der Lieferheld dem weichgespülten und lieblichen Mainstream zum Opfer fallen. Das leicht cholerisch-hektische des Original-David-Wozniak wird bei Knautschgesicht Vince Vaughn durch das ihm typische Verlierer-Image ersetzt und um seicht-sentimentale Rührseligkeit ergänzt. Dadurch wird das Tempo der ursprünglich flotten Komödie ziemlich reduziert. Im Gegenzug erhält man den massentauglicheren Film, der stärker auf die Tränendrüse drückt und sein Ziel durchaus erreicht. Weniger leicht fällt es hingegen, dem Komödianten Vaughn die ernsten Momente abzunehmen. So wirkt er in den Szenen einer Beinahe-Drogen-Überdosis einer seiner Töchter oder bei der Annäherung an den spastisch behinderten Sohn Ryan ein wenig wie ein Fremdkörper. Chris Pratt hingegen gefällt als überforderter, alleinerziehender Anwalt.