ROLAND WERRO (Schweiz, 1926-2018)


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Jahreszeiten / Press-Art, Offset auf Papier, 1972
  • Künstler: Roland Werro (Schweiz, 1926-2018).
  • Titel: Ohne Titel.
  • Bezeichnet: Unsigniert. 
  • Jahrgang: 1972/1973.
  • Format: 545 x 345 mm.  
  • Technik: Offset auf Zeitungspapier.
  • Auflagehöhe: Unbekannt, nur noch sehr wenige existent.  
  • Zustand: Ordentlich, mit allen Merkmalen eines Zeitungsdruckes.
  • Literatur: ---  
  • Anmerkung: Edition Press-Art der National-Zeitung.
  • Provenienz: Privatsammlung, Schweiz.
  • Zu Künstler und Werk: Roland Werro wuchs in Bern auf. Handelsschule; berufliche Tätigkeit in Banken in Genf und Bern. 1950–1952 Ecole des Beaux-Arts, Genf. 1953–1955 Paris; Académie Julian und Kurse bei André Lhote. 1953 Salon des réalités nouvelles. 1955–1957 Übergang zu ungegenständlichen Ausdrucksformen. 1956 Rückkehr nach Bern. 1957 Kiefer-Hablitzel-Stipendium; 1961, 1962 und 1963 Eidgenössisches Kunststipendium. 1964 Heirat mit Elsbeth Beyeler. Ab 1964 monochrome, scharf umrissene Farbformen auf monochromem Grund in kräftigen, kontrastierenden Farben. 1966–1972 runde Scheiben aus Anticorodal oder verchromtem Kupfer mit zwei im Goldenen Schnitt eingeschriebenen, sich überlagernden Kreisflächen. Diese Glimpse betitelten Arbeiten kombiniert er zu Reliefs oder Plastiken.

    In den 1960er Jahren war Werro Teil der Berner Avantgarde, die von Kunsthalleleiter Harald Szeemann wiederholt ausgestellt wurde (1967 Formen der Farbe). Werro gehörte zu einer losen Künstlergruppe ohne festes Programm, die 1966 unter dem Namen Bern 66 in der Berner Galerie und im Halfmannshof Gelsenkirchen sowie in mehreren Galerien in Holland ausstellte. Ausstellungsbeteiligungen (Auwahl): 1968 Wege und Experimente, Kunsthaus Zürich, Wolfgang-Gurlitt-Museum, Linz, Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum, Graz; 1969 22 jonge Zwitsers, Stedelijk Museum, Amsterdam; 1972 Giovane arte svizzera, Rotonda di via Besana, Mailand; 1973 Ausstellung der Stöpselplatten aus Holz, auf denen Holzelemente umgesteckt werden können, in der Kunsthalle Bern; 1974 Malerei und Bildhauerei der Schweiz von 1945 bis heute, Warschau, Wien, Budapest, Bukarest. 1975–1983 Papierreliefs. 1978–1980 Umsetzung dieser Zettelbilder in monumentale Bildertürme aus an einem kubusförmigen Gerüst aufgehängten, schwarz besprayten weissen Tüchern (1978 Abano Terme; 1980 Grün 80, Basel; Plastikausstellung, Biel). Ab 1986 Tütschi (bemalte Holzquader) genannte Wandobjekte, die 1997 in einer Einzelausstellung in der Kunsthalle Bern gezeigt wurden.

    Der Aspekt des Spiels durchzieht Werros seriell geprägtes Schaffen, in dem sich jede Arbeitsphase aus der vorangehenden ergibt. Jedes Werk baut auf bestimmten Grundelementen (Formen, Strukturen) auf. Charakteristisch ist dabei die Verbindung von Plan und Zufall. So beruhen die Farbformenbilder auf zufälligen Konstellationen und visualisierten Wurfbahnen des Flohspiels. Szeemann nannte Werro einen «romantischen Hard Edgeler», da er die Farbe zum Erlebnis machte sowie eine poetische Note einbrachte, die sich auch im Titel manifestiert (Der Nichtschwimmer, 1966, Kunstmuseum Bern). Die Form verfestigte sich zum augenähnlichen Glimpse, dessen rationaler Aufbau und Anordnung in Gruppen ein irrationales Erlebnis bei den Betrachtenden auslösen. Innerhalb einer vorgegebenen Struktur ermöglichen dann die Stöpselplatten alle denkbaren Kombinationen der Einzelelemente. Ihre Gitterstruktur wird in die Zettelbilder übernommen, die ihren optischen Reiz durch die 3 x 3 cm messenden, aufgeklebten Zettelchen (Einheiten) gewinnen, die sich durch die Aquarellbemalung unterschiedlich verformen und so ein bewegtes Licht-Schatten-Spiel erzeugen. Wind und Wetter übernehmen hingegen die willkürliche Belebung der Bildertürme. Die Tütschi bilden eine Synthese von Werros Gesamtarbeit. Anhand dieser kleinen Türme (39 x 12 x 12 cm) aus rohem Tannenholz schöpft er die von jedem Inhalt gelöste Farbe aus. Das Konzept der identischen Einheiten führt nur vermeintlich zu einheitlichen Bildträgern, weisen sie doch materialbedingte Unterschiede auf (Maserung, Risse, Verletzungen). Mit diesen allseitig bemalten Objekten rhythmisiert Werro die Wand. Sie wird dadurch selbst zu einem Bild.

    Werke: Kunstmuseum Bern; Bern, Schweizerische Eidgenossenschaft, Bundesamt für Kultur; Bern, Schweizerische Nationalbank; Bern, Schweizerische Bankgesellschaft (heute UBS), Padua, 1976, Farb-Glismet, 1977; Bern, Schweizerischer Bankverein (heute Credit Suisse); London, Schweizerischer Bankverein (heute Credit Suisse); Napa (USA), Donald M. Hess Collection; Schloss Münchenwiler, 22 Wandobjekte, 1989, bemaltes Holz; Kunstmuseum Winterthur.

    Regina Bühlmann, 1998, aktualisiert 2018.(-> Quelle: Sikart).



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