OFDB Filmkritiken:
"Detroit" handelt von den kriegsähnlichen Aufständen der schwarzen Bevölkerung in der titelgebenden Stadt im Jahr 1967. Eine kurze Einführung der Figuren, die schockierenden Folgen der Nacht hintendrein. Doch der Löwenanteil des Films spielt im Hotel Algiers, wo mehrere Afro-Amerikaner in dieser Nacht von rassistischen Polizeikräften terrorisiert und ermordet wurden... Ist "Detroit" perfekt? Ganz sicher nicht. Welcher Film ist das schon? Dieser hier ist zum Beispiel zu lang, sein gemaltes Intro ist unpassend und überflüssig und das letzte Drittel fällt nach dem angespannten Mittelteil drastisch ab. Doch Bigelows schockierendes Drama (oder ist es ein Thriller? Oder Horror?) ist einer der wichtigeren Filme des Jahres. Und einer der besten. Trotz seiner Fehler. Oder gerade deswegen.
Getragen von einer innerlichen Anspannung, einer kinetischen Mittendrin-Inszenierung und seiner berstenden Atmosphäre, kann man die Augen kaum von der Leinwand nehmen. Wichtiger, wuchtiger, starker Tobak. Doch leider unumgänglich. Keine andere Frau auf dem Regiestuhl schafft es solche drastische Spannung und Grausamkeit zu erzeugen. Man wird wütend, man bleibt hilflos, man wird traurig. Vor allem wegen der Sinnlosigkeit und Leere, die hinter all dem Hass und der Gewalt steckt. Da ist man sprachlos. Ein heftiger Film. John Boyega wirkt wie ein junger, innerlich brodelnder Denzel, Will Poulter wie ein junger, teuflischer Nicholson. Zwei der ganz großen der kommenden Schauspielergeneration, so viel ist jetzt schon sicher. Der gesamte Cast ist in herausragender Form. Und Bigelow führt alle mit ruhiger Hand und umso unruhigerer Kamera. Packend in jedem Moment. Wehtuend die meiste Zeit.
Fazit: Zeiten ändern sich kaum... leider. Dass "Detroit" aktueller denn je ist, muss nicht erwähnt werden. Leider. Dass "Detroit" weh tut und wahrer Horror ist, war klar. Dass "Detroit" ein weiteres Must-See von Kathryn Bigelow ist, war zu erwarten. Zum Glück!