Beschrieb zur Bilderreihe V1 (V1_01 V1_06)
Die sechsteilige Werkreihe V1 markiert den ersten künstlerischen Zyklus des Künstlers und trägt gerade deshalb eine besondere Unmittelbarkeit in sich. Die Arbeiten entstanden nicht im Atelier, sondern direkt in der Natur, im Spannungsfeld zwischen bewusster Gestaltung und dem unkontrollierbaren Einfluss der Umgebung.
An einem windigen Tag geschaffen, sind die Bilder geprägt von Bewegung: Schattenwürfe von Sträuchern finden ihren Weg in die Komposition, Licht und Form verschieben sich flüchtig und werden im Moment festgehalten. Natürliche Elemente wie Blätter bleiben bewusst Teil der Werke nicht als Störung, sondern als integraler Bestandteil des künstlerischen Prozesses. So verschwimmt die Grenze zwischen Motiv und Material, zwischen Inszenierung und Zufall.
Die Reihe lebt von dieser rohen Authentizität. Jedes Bild ist ein Fragment eines Augenblicks, eingefangen unter realen Bedingungen, offen für das Unperfekte und Vergängliche. Gleichzeitig verbindet ein wiederkehrendes Element alle sechs Werke: eine markante rote Linie mal klar gezogen, mal nur angedeutet. Sie durchzieht die Komposition diagonal, oft von Ecke zu Ecke, und fungiert als unverkennbare Signatur des Künstlers. Diese Linie setzt einen bewussten Kontrast zur organischen Umgebung und wirkt wie ein Eingriff des Menschen in das natürliche Gefüge.
V1 ist damit nicht nur eine Serie von Bildern, sondern ein erstes künstlerisches Statement: ein Dialog zwischen Kontrolle und Zufall, zwischen Natur und künstlerischem Ausdruck. Die Werke laden dazu ein, sich auf diesen Dialog einzulassen und die Spannung zwischen diesen Polen individuell zu erleben.