Emanuel Jacob
(1917 Schweiz 1966)
Titel: Unbekannt
Technik: Wasserfarbe auf Papier
Signatur: Vorderseite
Bildmasse: 53x37 cm
Biografie des Künstlers
Emanuel Jacob wächst in einer streng religiösen Täuferfamilie mit einem dominierenden Vater auf. Die Ablösung von ihm wird zu einem zentralen Problem seines Lebens. 1933 Besuch der Kunstgewerbeschule in Bern. Lehre als Farbätzer, Abschluss 1938. Vielseitig begabt, ist er unschlüssig, ob er Maler, Sänger oder Schriftsteller werden soll. 1939 Reise nach Schweden. In den folgenden Jahren unter drückenden wirtschaftlichen Verhältnissen autodidaktische Ausbildung zum Zeichner und Maler. 1942 Wohnsitz in Zürich. Erst längere Aufenthalte in Paris 1946 und Südfrankreich 1947 führen zum endgültigen Entschluss, sich auf die Malerei zu konzentrieren. 1949 Heirat mit der Malerin und Bildhauerin Elisabeth Badertscher. Das gemalte Werk entwickelt sich von nun an kontinuierlich. Parallel dazu beschäftigt er sich intensiv mit Literatur und Philosophie. 1952 Aufenthalt in Paris. 1957 Teilnahme an der Ausstellung La peinture abstraite en Suisse in Neuenburg. 1959 Ausstellung im Helmhaus Zürich mit Robert Müller, Anerkennung als abstrakter Maler. 1961 Bau eines Atelier-Hauses in Russikon. 1965 Conrad Ferdinand Meyer-Preis. Im selben Jahr bricht die Krebskrankheit aus, die ihm nur noch zeitweises Arbeiten erlaubt. 1996 Retrospektive im Kunsthaus Langenthal.
Emanuel Jacob orientiert sich in seiner Malerei zunächst an der offiziellen Schweizer Kunst, die er unter anderem durch Cuno Amiet und Ernst Morgenthaler vertreten sieht. 1947 wird Pierre Bonnard sein Vorbild, doch bald sucht er sich von der Gegenständlichkeit zu lösen. Nach einer Phase der Anlehnung an den Kubismus und an Wassily Kandinsky wendet er sich dem Werk und der Theorie Paul Klees zu. Geglücktes steht in dieser von geometrisierenden Formen geprägten Phase neben erzwungen Wirkendem. In den zwischen 1950 und 1960 geschaffenen Wandbildern, Reliefs und Mosaiken an öffentlichen Gebäuden gelingt ihm die Verbindung einer persönlichen Formensprache mit der Architektur.
Die Erfahrung der südfranzösischen Landschaft 1955, der Kontakt mit dem Maler Julius Bissier ab 1956 und die Begegnung mit dem Tachismus führen bei Emanuel Jacob allmählich zu einer freieren Malweise. Nach einer längeren Zeit des Suchens, in der unter anderem die Serie der Ikarus-Zeichnungen entsteht, findet er 1963 in oft grossformatigen Bildern zu einer gestischen Malerei von reicher, kraftvoller und zugleich subtiler Farbigkeit. Er selbst situiert seine Kunst zwischen Tachismus und Konstruktivismus, denn die gestische Malweise wird immer von einem bewusst gestalteten Bildaufbau und oft von begrenzten Formen getragen. Diese können auch an Gegenständliches, meist Organisches, erinnern. Die Summe seiner künstlerischen Erfahrung zieht Emanuel Jacob in den Aquarellen, die während kurzen Phasen des Stillstands seiner Krankheit entstehen. Aus spontan hingesetzten Farbzeichen, die von grosser formaler Sicherheit zeugen, bauen sich Blätter von meditativem Charakter auf, die in der Schweizer Kunst jener Jahre einzigartig dastehen.
Emanuel Jacob hat sein Schaffen in Aufzeichnungen und Aufsätzen reflektierend begleitet und literarische Texte verfasst, die meist von seinen Erinnerungen ausgehen.
Werke: Näfels, Schulhaus im Schnegg, Betonrelief, 1958; Schaffhausen, Museum zu Allerheiligen; Zürich, Zahnmedizinisches Zentrum der Universität, Wandbild aus Keramikplatten, 1960.