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Spex Nummer 322
MUSIK:
Michael Jackson - 29.08.1958 - 25.06.2009
Text: Christoph Gurk
HGich.T - Spektakel aus Geschrei
Text: Oskar Piegsa
Miss Platnum - Königin auf Planet Paprika
Text: Wibke Wetzker
Wildbirds & Peadrums
Text: Jens Balzer
Für seinen gemeinen Rundumschlag unter der Überschrift »Elsen in der Brandung« musste Jens Balzer vor acht Monaten einigen scharf geschwungenen Schlägen mit der Bratpfanne ausweichen. Dabei verteidigte er lediglich das subversivüberraschende Moment, für das Pop im Idealfall steht, gegen eine Handvoll selbsternannter Natur- und Lagerfeuerfrauen, die dem Neofolk-Revival jede Ecke und Kante genommen hatten. Ganz anders verhält es sich mit Josephine Foster, Maja Ratkje und vor allem dem Duo Wildbirds & Peachdrums, die zeigen, wie man heutzutage musikalisch agieren muss, um relevant zu sein.
Dizzee Rascal
Text: Harald Peters
Champagner! Auf seinem vierten Album »Tongue ’N’ Cheek« sprengt Dizzee Rascal die angestammte Sparte Grime mit herrlich prolligem Großraum-House und Strandbikinis. Man sieht: Wer sich kontinuierlich weiterentwickelt, wird irgendwann zur Antithese dessen, was er einmal war.
Arctic Monkeys
Text: Gunnar Klack
Web 2.0 und MySpace, so lautet die Legende, waren die eigentlichen Stars, als die Arctic Monkeys 2006 ihren Siegeszug antraten. Ohne, dass sie Luft holen konnten, hagelte es inflationär die üblichen Beatles-Vergleiche. Dass es sich bei der Band aus Sheffield um einen ernstzunehmenden Versuch des Coming-of-Age handelt, beweist das Quartett dieser Tage mit der Veröffentlichung seines dritten Albums »Humbug«. Auf diesem stellen sich die Arctic Monkeys der Frage, inwiefern man als Bewahrer von Poptraditionen auftreten muss, um sich das Recht zu erhalten, diese brechen zu dürfen. Wie so oft: Schuld hatte allein der verschleppte Beat des Hiphop.
Vorspiel für Tony Allen
Interview: Christoph Twickel und Jan Kedves
Für Brian Eno ist er der »großartigste Schlagzeuger aller Zeiten«, Damon Albarn ist sogar ein so großer Fan, dass er ihn 2004 zum Drummer von The Good, The Bad & The Queen ernannte: Tony Allen, geboren 1940 in Lagos, gilt als Meister der Polyrhythmik und genießt Legendenstatus, seit er in den siebziger Jahren musikalischer Direktor von Afrika 70 war, jener Band Kommune des nicht weniger legendären Fela Kuti. Gemeinsam mit Kuti hob Allen das Genre Afrobeat aus der Taufe. Ausgeklügelte Beat-Patterns, schmissige Bläsersätze und gesellschaftskritische Texte: Das ist die Mischung, die auch das Mitte Juni veröffentlichte Soloalbum »Secret Agent« des Nigerianers wieder gelungen macht. Zum »Vorspiel« dreht sich Allen, der seit Mitte der achtziger Jahre hauptsächlich in Paris lebt, erst Mal einen dicken Spliff aus atmungsaktiven Zellulose-Blättchen.
DIE GROSSEN GESCHICHTEN:
Kunstsprache: K.I.Z.
Interview: Max Dax und Robert Defcon
Sie sind das Bindeglied zwischen derbem Berliner Atzenhumor, zwischen kleinkrimineller Jugend, links-alternativer Anti-Politik und der bildungsbürgerlichen Studi-WG: Die Kreuzberger Erfolgsrapper K. I. Z. bewiesen schon vor zwei Jahren mit ihrem Album »Hahnenkampf«, dass heftige wie humorige, sexistische wie analsadistische Texte weit über das sogenannte Ghetto hinausweisen können. Auch auf ihrem neuen, zweiten Major-Album »Sexismus gegen Rechts« punkten sie wieder mit genialischen Textdiamanten – wenn sie zum Beispiel à la »Muxmäuschenstill« mit Richterperücken Selbstjustiz üben, mit einer ironischen Haider-Lobeshymne gegen Rechts anstinken, gemeinsam mit Sido über ihre Mikropenisse rappen oder sich mit einem umgetexteten Cover des Songs »Halbstark« von den Yankees von 1965 als Beatnik-Aufreißer outen. Reimen ist bei K. I. Z. ein Jungssport, bei dem jeder um jeden Preis den anderen toppen will – und bei dem die Empörung des Publikums als fest einkalkulierter, geradezu im Business-Plan verankerter finaler Ritterschlag gilt.
Status Quo Vadis? – Jochen Distelmeyer, Die Goldenen Zitronen & Ja, Panik
Text und Interviews: Max Dax
Manifeste scheinen wieder in Mode zu kommen. Bands stemmen sich gegen den Lauf der Dinge. Karrieren schlagen unterschiedliche Richtungen ein, um dann, auf dem Höhepunkt angelangt, (doch) nicht zu enden. Es ist eine seltene Konstellation: Binnen weniger Tage erscheinen die neuen, sehr guten Alben von Die Goldenen Zitronen und Ja, Panik – und Jochen Distelmeyer veröffentlicht seine erste post-poststrukturalistische Platte. Eine Bestandsaufnahme.