The Projective Cast, Robert Evans, 1. Auflage, 2000, Architektur und seine drei Geometrien, kaum Gebrauchsspuren.
Robin Evans interpretiert die Beziehung zwischen Geometrie und Architektur neu und greift dabei auf Mathematik, Ingenieurwesen, Kunstgeschichte und Ästhetik zurück, um Prozesse bei der Vorstellung und Umsetzung architektonischer Formen aufzudecken.
Es ist kein Überblick über die Verwendung von Geometrie in der Architektur, sondern eine Reihe kritischer Essays zu einigen Episoden zwischen dem 15. und 20. Jahrhundert, in denen sich Geometrie und Design überschnitten: die Zentralkirche der Renaissance, musikalische Proportionen, die Perspektive Piero della Francescas, Stereometrie bei Philibert Delorme, fragmentierte (manche verwenden den Begriff dekonstruktive) Architektur im 20. Jahrhundert, Ronchamp und der Modulor. Es stützt sich auf starke Behauptungen wie: „Architekten produzieren keine Geometrie, sie konsumieren sie.“ (xxvi) Das schillerndste und zugleich schwierigste Kapitel dieses Buches befasst sich mit der französischen Stereotomie, insbesondere mit Philibert Delorme und seiner Umsetzung des „Merkmals“ des kleinen zylindrischen Raums in Anet. Besonders hilfreich fand ich das Kapitel „Persistent Breakage“. Es geht um die Tendenz des 20. Jahrhunderts zu „gebrochenen Formen“ oder „zersplitterter Totalität“. Evans deutete an, dass Giedions Verbindung zwischen Kubismus und Bauhaus-Architektur ebenso oberflächlich sei wie die größere Frage, wie Architektur kubistisch sein oder wirken könne. Evans schloss dieses Kapitel mit einer Analyse von Scharouns Berliner Philharmonie (1956–1963). Auch die Mittel der Darstellung und Konstruktion gehören zu den Themen, die ich bei diesem Gebäude untersuchen möchte.