Kamui - The Last Ninja


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Evita ~

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OFDB Filmkritiken:


Diese zwischenmenschlichen Wechselspiele dominieren weite Strecken der Handlung, weswegen sich Action-Junkies trotz gelegentlich stattfindender, eher kurzgehaltener kriegerischer Auseinandersetzungen durchaus langweilen könnten. Angezogen wird das Tempo wieder, als ca. zur Halbzeit ominöse Hai-Jäger das Szenario betreten, die für einige abstruse Momente sorgen, wenn sie aus dem Meer hervorschnellende Kiefermäuler noch während des Sprungvorganges fachgerecht filetieren. Das Auftauchen dieser neuen Figuren passiert recht unvermittelt und lenkt das Geschehen in neue Bahnen, die kaum Bezug zu den vorherigen Ereignissen besitzen. Dramaturgisch wirkt das etwas unausgegoren und erweckt ein wenig den Anschein, es mit dem Zusammenschnitt eines Mehrteilers zu tun zu haben. Einerseits schimmert hier natürlich der Serien-Charakter der Vorlage durch. Andererseits ist hier auch auf stilistischer Ebene ein Bruch bemerkbar, passt diese absurde Praxis der Raubfisch-Massakrierung doch eher in ein komödiantisch angehauchtes Szenario. KAMUI gebärdet sich allerdings überwiegend bierernst und von bleierner Schwermut geprägt. Und obwohl rechtschaffende Historiker gewiss Anfälle bekommen, wirkt die Darstellung der Edo-Zeit überwiegend echt und nahbar, was bisweilen sogar an die Samurai-Epen Akira Kurosawas erinnert.


Natürlich haben die Ninjas dementsprechend auch nichts mit den meist in schwarze Roben gehüllten Killer-Akrobaten zu tun, die Regisseure wie Sam Firstenberg oder gar Godfrey Ho in Heulern namens AMERICAN NINJA oder NINJA TERMINATOR auf die Menschheit losließen. Die hier porträtierte Mörderbande ist eine doch recht gewöhnlich gekleidete, dabei aber reichlich ruchlose Gemeinschaft, die überwiegend damit beschäftigt zu sein scheint, sich gegenseitig zu jagen und ans Messer zu liefern. Obwohl bei den daraus resultierenden gewaltsamen Zusammenstößen auch mal die eine oder andere Extremität durch die Gegend fliegt, ist der Härtegrad zumindest in visueller Hinsicht eher moderat. Inhaltlich ist die Geschichte allerdings von beträchtlicher Brutalität. Denn auch vor Sympathiefiguren wird nicht Halt gemacht, sodass im Zweifelsfalle auch mal der eine oder andere liebgewonnene Charakter über die Klinge springen darf. Diese Konsequenz hebt KAMUI durchaus vom Gros der Konkurrenz ab. Etwas störend wirken hingegen die teils verblüffend schlechten Effekte, die dem Authentizitätsgefühl abträglich sind, sei es im Schlachtgewühl oder bei Flucht und Flug von Mensch und Tier.


Als unvorteilhaft erweist sich außerdem, dass der neutrale Erzähler, der einen zu Beginn noch so erkenntnisreich in die vorhandenen Verhältnisse einweihte, im weiteren Verlauf nie so wirklich Ruhe gibt und zwischendurch immer mal wieder laufende Sequenzen kommentiert. Sätze wie „Das azurblaue Meer und der unendlich sorglose Hanbei berührten Kamuis Herz tief“, wirken reichlich sinnlos und verführen in erster Linie zum genervten Augenrollen. Vollends überzeugen kann hingegen Hauptdarsteller Ken'ichi Matsuyama [→ DEATH NOTE] als Kamui. Dem damals 24-Jährigen nimmt man die Gratwanderung zwischen sensibler Seele und potentieller Killermaschine mühelos ab. Mag KAMUI innerhalb seiner Schauspiel-Vita eher unbedeutend sein, privat lohnte sich sein Auftritt auf jeden Fall: 2 Jahre später gaben er und seine Leinwand-Partnerin Koyugi [→ LAST SAMURAI] sich das Ja-Wort. Fans des Hongkong-Kinos erspähen in einer Nebenrolle außerdem den chinesischen Star Ekin Cheng [→ DIE SÖHNE DES GENERALS YANG]. Wie der sich in eine japanische Manga-Verfilmung verirrt hat, obwohl seine Rolle ebenfalls japanisch ist, ist eine gute Frage, aber der charismatische Mime ist immer gern gesehen.


Für Regisseur Yôichi Sai [→ ART OF REVENGE] blieb dies das letzte Werk, bevor er im November 2022 verstarb. Begeisterungsstürme löst die eher gemächlich erzählte Selbstfindungsgeschichte zwar nicht aus, aber die überwiegend verhaltenen bis sogar negativen Rezensionen verwundern dann doch. KAMUI besticht durch seine sorgfältige Inszenierung und den Aufwand in Sachen Kostüm und Kulisse, durch den eine glaubwürdige, greifbare Welt entsteht. Das betrifft vor allem die Szenen im Dorf, denen viel Zeit gewidmet wird und die eine gehörige Portion zwischenmenschliche Spannung entstehen lassen. Die Bilder atmen stets großes Kino, sei es staubig-erdig an Land oder knallig-blau auf hoher See. Dramaturgische Schwächen sind vorhanden und gelegentliche Stil- und Richtungswechsel irritieren, aber unterm Strich wurde hier deutlich mehr richtig als falsch gemacht. Die neutrale Erzählerstimme würde sich jetzt vermutlich zu Wort melden und so etwas sagen wie: „Die prachtvollen Tableaus und die spürbare Energie aller Beteiligten berührten den Rezensenten tief.“ Und damit hätte sie recht.


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