Joseph, Litographie, Thomas Huber


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1992

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Thomas Huber

(1955 Schweiz)


Titel: Joseph, 1992

Technik: Farblitographie

Signatur: Vorderseite, unten rechts

Bildmasse: 37.5 cm x 26.8 cm


Zur Biographie des Künstlers:


Thomas Huber, Sohn eines Architekten und einer Innenarchitektin, vergleicht seine künstlerische Arbeit oft mit dem Bau einer Stadt, die er Huberville nennt und in der jedem Bild die Bedeutung eines Hauses zukommen soll. Gemäss eigener Aussage fasziniert ihn am Bild generell, dass eine plane Fläche allein durch das Setzen von Linien und Farben in eine imaginäre räumliche Tiefe geöffnet werden kann. Der strenge Einsatz und die explizite Auseinandersetzung mit der Raum und Räume evozierenden Perspektive ist indes weniger Thema als vielmehr Vorbedingung für ein Werk, in dem Kunst und deren Ort, im weitesten Sinne verstanden, reflektiert wird: von den rein praktischen Bedingungen der Bildherstellung wie etwa dem Keilrahmen, der Sättigung der Farbe oder den Aggregatzustände[n] des Bildes (1993) oder der Ateliersituation, über Fragen zur Präsentation und zur Rezeption, aber auch zur Lagerung von Bildern, bis hin zur Stellung des Künstlers und seiner Verantwortung in der Gesellschaft sowie nach der Institution und dem System Kunst und der Rolle und Funktion, die sie im aktuellen ökonomischen Kreislauf spielen. Zu all diesen Aspekten gibt es bildhafte Darstellungen, zu all diesen Fragen spricht Huber ernsthaft, hin und wieder auch augenzwinkernd und ironisch, in seinen Texten.

 

Im Zentrum der wie nach einem Renaissance-Idealplan streng konstruierten Stadt Huberville (es gibt sie auch als Computersimulation und als Modell-Installation), wo es neben einem Museum und einer Akademie auch ein öffentliches Bad gibt, und zwischen jenen Orten, wo Bilder entweder entstehen oder ausgestellt werden, steht die Bibliothek, wo das Wissen über Bilder aufbewahrt und wo über Bilder nachgedacht wird. Einer Kunstbibliothek hat Huber 1988 das grossformatige Bild Die Bibliothek gewidmet.

 

2003 konzipierte er, zusammen mit seiner Mutter, die Bibliothek für das erweiterte Aargauer Kunsthaus in Aarau. Zur umfassenden Auseinandersetzung mit der Kunst und dem Kunstbetrieb gehört ebenso, dass der Maler während acht Jahren als Professor an einer Kunsthochschule lehrte, dass er kurzzeitig als temporärer Museumsdirektor wirkte, als Kurator eine Museumssammlung inszenierte – das Künstlermuseum, zusammen mit Bogomir Ecker – und dass er während zwei Jahren das Amt des Vorsitzenden des Deutschen Künstlerbundes ausübte.

 

Da in dieser eigenständigen konzeptuellen Kunstpraxis Bild- und Wortsprache substanziell zusammengehören, liegt der Vergleich mit der Bühnenkunst nicht fern. Hubers exakt konstruierte, modellhafte Bildräume funktionieren denn auch ähnlich wie Kastenräume von Bühnenbildnern: sie geben den Raum und den Rahmen für eine vom Maler-Regisseur konzipierte Inszenierung, durch diese werden aus den Räumen spezifische Orte. In diesen streng durchdachten, kontrollierten Raumbildern werden denn auch nicht Menschen in Momentaufnahmen gezeigt, vielmehr agieren die Dargestellten in Hubers Inszenierung als Darsteller, sie werden von ihm als Schauspieler oder Figuren eingesetzt. Huber selbst thematisiert dies in einigen Bildern, in welchen «Figur» und «Grund» als Schauspieler agieren.

 


Werke: Aarau, Aargauer Kunsthaus, Die Bibliothek, 2003; Bern, Inselspital, Jurten, 3-teilige Installation, 2007; Biel, Centre PasquArt, Die Bühne (Ein Bild für Biel), 2000; Darmstadt, Hessisches Landesmuseum; Essen, Sparkasse, Revier, 2002; Genf, Musée d’art moderne et contemporain (Mamco); Lausanne, Musée cantonal des Beaux-Arts; Rolandseck, Arp Museum, Skulpturenufer Remagen, Dauereinrichtung zweier Bauschilder, sowie Überfahrt, 2001; Utrecht, Centraal Museum Utrecht; Museum Wiesbaden; Graphische Sammlung ETH Zürich; Zürich, Zürcher Kantonalbank, Halle, Dauereinrichtung dreier Gemälde, 2000.

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