OFDB Filmkritiken:
Freunde des guten Geschmacks und des gepflegten Humors konnten mit Sacha Baron Cohen noch nie was anfangen, oder ignorierten seine Beiträge von vorne herein.
Nun, immerhin brachte es der Anarchoking auf immerhin vier Kinofilme; genug Zeit,um sich auf seine Rollen und seine Figuren vorzubereiten.
Im vierten Streifen "Der Diktator" wartet der Engländer wieder mit einer Menge obszöner Gags auf und lässt wie gewohnt, kein Fettnäpfchen aus. Zur Story:
Der Diktator Aladeen beherrscht den Staate Wadiya und führt ein eigenständiges, manchmal doch zu skurilles Regime, lässt er jeden der etwas Widerwillen zeigt, oder nicht in seinem Kram passt, hinrichten, schläft sich mit den Stars Amerikas durch sein Bett und opfert ohne mit der Wimper zu zucken, gerne mal den ein oder anderen Doppelgänger von der Wüste. Doch dann spielt sein Onkel ein böses Spiel und will den lästigen Neffen loswerden, um sein eigenes Machtspiel durchzusetzen. Er lässt Aladeen in New York beim Staatsbesuch austauschen. Doch der durchblickt das Doppelspiel und vertraut sich einer Ökotusse an, um mit ihr zusammen den Doppelgänger zu eleminieren und vor allem dem bösen machtgierigen Onkel den Garaus zu machen.
Baron Cohen bewegt sich in seinem neuesten Kinofilm, der mit einer hohen Wahrscheinlichkeit der Überraschungshit des Frühlings sein wird, langsam aber zielsicher vom dreckigen und gesetzlosen Humor weg und schlägt unterschwellig die Mainstreamkomödienroute ein.
Was in "Borat" und "Brüno" herrlich funktionierte, entgleitet Cohen langsam aber sicher, was daran liegt, dass Baron Cohen für seine ersten drei Figuren mehr Vorbereitungszeit hatte, um sich genug in diese hineinzuleben, vor allem durch seine Show, die er erfolgreich vor seinem Leinwanddebüt feierte. Aladeen zählte hier leider nicht mehr dazu und wirkt zu aufgesetzt und typisch Hollywoodcharismatisch.
Natürlich zünden einige seiner Gags, die teils unter der Gürtellinie geerntet wurden und doch für Zuschauer von zwölf Jahren zu sexistisch und obszön daher kommen.
Man darf sich auf Cameo Auftritte von Megan Fox (genau die aus Transformers) und John C. Reilly freuen und der neue Dauerbösewicht und Oscarpreisträger Sir Ben Kingsley bekommt sein Fett weg.
Auffallend sind ebenso die ständig untermalten Songs wie beispielsweise von Marvin Gaye, die in pseudo? - arabischen Text gesungen werden, sowie Dauerfeuernde Rassistensprüche im eigentlichen Sinne nur böse gemeint. Hier mal ein Penis, dort mal ein Abtreibungsgag, dort ein abgeschnittener Kopf, mit dem man seine Spässchen treibt; so schleicht sich ab und an ein krankes Witzchen an, die sich bemühen, stets das Feuerwerk warm zu halten, aber manchmal doch ins umgekehrte implodieren.
Für Sacha Baron Cohen Fans sehenswert, auch wenn nicht die Spitze des Glorreichtums. An seine Erstlinge reicht dies leider nicht ganz heran und spaltet sich eher in die Kategorie Parodie a la "Nackte Kanone" ab, was allerdings auch lustig ist, nur der Drift zum Alltäglichen ist absehbar. Borat, du kannst es besser!
Kritik:
Anarchoparodie in Light! Zwar immer noch komisch, doch es fehlt langsam an krasser und grenzenloser Respektlosigkeit. Borat macht einen Schritt zurück. Sehenswert, aber keine Topgranate.