Daphne DuMaurier Der Mann mit meinem Gesicht
Du Mauriers Name ist unlösbar mit "Rebecca" verbunden. Für mich jedoch ist eindeutig "Der Mann mit meinen Gesicht" ihr Meisterwerk. Eine derart verblüffende, fast unmöglich scheinende Geschichte kann nur aus ihrer Feder stammen.
Dieser Roman, ursprünglich unter dem Titel "Der Sündenbock" ("The Scapegoat") erschienen, erzählt die köstliche und spannende Geschichte eines Rollentauschs wider Willen. Während eines Frankreichurlaubs trifft John, der bescheidene, charmante englische Universitätsdozent, zufällig auf den leichtfertigen und skrupellosen französischen Grafen Jean. Beide gleichen sich wie ein-eiige Zwillinge. Jean, der Aristokrat, ist seines erfolglosen Lebens in einer verrotteten Familie voller Intrigen überdrüssig und stiehlt mittels perfider Täuschung Johns Identität. Dieser erkennt nebst seiner Ausweglosigkeit die Sinnlosigkeit jedweder Erklärungsversuche und schickt sich in die Rolle des Grafen. Damit sieht er sich mit einer Vielzahl komplexer Situationen konfrontiert: Schlossbesitzer, erfolgloser Unternehmer und Kopf einer verdriesslichen, zerstrittenen Familie. Eigentlich ist er Herr über nichts. Nach und nach findet er jedoch Gefallen am Doppelgängerspiel, was die wahren Absichten des wirklichen Grafen erheblich erschwert. Vorerst löst jedoch seine neue Persönlichkeit eine Serie dramatischer und haarsträubender Reaktionen aus, mit welchen die Autorin ihre ausserordentliche Antenne für die Tiefen menschlicher Psyche eindrücklich dokumentiert.
Fazit: Ein herrlich skurriles Buch! Nicht durchwegs realistisch - man kennt du Mauriers Ausflüge ins Reich des Fantastischen! -, nichtsdestotrotz spannend, tragikomisch, romantisch und melodramatisch. Zugleich eine Reise durch menschliche Unzulänglichkeiten, Ängste, Sehnsüchte und Begehrlichkeiten. Du Maurier erzählt die Geschichte aus der Perspektive des Protagonisten John; ein effektives Stilmittel, wodurch sich der Leser immer auf dem Erkenntnisstand der Hauptperson bewegt.
Als Moral könnte der Leser behalten: Die Schwachen wachsen in ungewöhnlichen Situationen oft über sich hinaus, während die scheinbar Starken nicht selten daran scheitern.
In der gleichnamigen Verfilmung ist Alec Guinness die Rolle von John auf den Leib geschrieben!
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