Achtung: Im unteren Teil des Dokumentes hat die Druckerschwärze des Briefkopfes etwas abgefärbt, was auf den Fotos ersichtlich ist. Ansonsten ist das Dokument für sein Alter in einem sehr guten Zustand.
Durch Constant Fornerod (*30.05.1819 †27.11.1899) original unterschriebenes Dokument des Eidgenössischen Militärdepartmentes (22,9 x 35,8 cm, zweimal gefaltet) vom 23.04.1863 (in jenem Jahr war Fornerod Bundespräsident). Das Dokument ist gerichtet an Oberst Borgeaud.
Fornerod war Bundespräsident in den Jahren 1857, 1863 und 1867. Der tragische Lebenslauf von ihm mit Gefängnisstrafe und vereinsamtem Tod (siehe unten).
Seine erste Präsidentschaft 1857 war geprägt vom Neuenburgerhandel und dem Umzug der Bundesverwaltung ins neu erbaute Bundeshaus. Er war damals noch ledig und hatte eine Beziehung mit der 17 Jahre jüngeren Sophie Leuzinger. Ihr gemeinsames Kind kam kurz vor Jahresende zur Welt und das Paar heiratete heimlich im März 1858. Die Liebesaffäre wurde erst viele Jahre später publik und hätte damals für einen grossen Skandal gesorgt.
Er spielte bei der Gründung der Eidgenössischen Bank 1863 durch alt Bundesrat Stämpfli eine wenig klare Rolle; er soll seine Beteiligung an deren Gründung bestritten haben, obwohl diese allgemein bekannt war.
Überraschend und überhastet gab er am 02.10.1867 seinen Rücktritt per 01.11.1867 bekannt und nannte Amtsmüdigkeit als Grund. Bald erfuhr die Öffentlichkeit den wahren Grund. Fornerod hatte die Direktion des Finanzinstituts Crédit Franco-Suisse in Genf übernommen, das wenig später nach Paris zog. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg geriet die Crédit Franco-Suisse in finanzielle Schwierigkeiten und musste Insolvenz anmelden. Fornerod wurde am 27.06.1873 verhaftet und kam in Untersuchungshaft. Am 22.01.1874 verurteilte ihn ein Gericht als verantwortlichen Direktor zu drei Jahren Gefängnis und zu einer Busse von 2000 Francs. Nach seiner vorzeitigen Entlassung am 06.09.1875 kehrte er in die Schweiz zurück. Sein Ruf war vollständig ruiniert, die politische Elite der Schweiz ächtete und mied ihn. Der ehemalige Bundesrat Paul Cérésole, mittlerweile Direktor der Jura-Simplon-Bahn, zeigte Mitgefühl und vermittelte ihm eine Arbeitsstelle als einfacher Angestellter der Bahngesellschaft. Sein Bruder Justin, Pfarrer im Ruhestand, nahm ihn später auf. Als dieser verstarb, lebte Fornerod als Pensionär auf einem Bauernhof in Bettens, wo er im Alter von 80 Jahren vereinsamt starb.
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