Arts of the Working Class: Issue Nr. 13


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Associate Editors of “Eurothanasia’: Ira Konyukhova, HEKLER; Publishers/Editors: Alina Kolar, María Inés Plaza Lazo, Pauł Sochacki; Managing Editor: Sebastjan Brank; Art Direction/Layout: Hans Löffler; Distribution & Coordination: Chris Paxton; Content Management: Karina Rovira; Cover Artwork: Simon Fujiwara, Bouchra Khalili, Jonas Von Lenthe; Antifa Logos: Peng! Collective; Druck: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, Augsburg, DE.


Identität hat einen Stock im Arsch! 

Die Headline dieser Ausgabe stammt aus einem Vortrag von Zadie Smith den sie beim Hay Cartagena Literaturfestival hielt. Ihr Satz zeigt pointiert wie eine in alle Richtungen scheißende Identitätspolitik die Gesellschaft paralysiert und unfähig macht eine gemeinsam verhandelbare, solidarische Realität zu denken, frei von identitaristischer Abspaltung. Wir wollen noch daran glauben. 

Die Beiträge dieser Ausgabe sind Versuche sie greifbar zu machen. Entsprechend dazu sagt FCNN (Feminist Collective with No Name): “Fuck Your Eurocentric Worldview” und Matylda Krzykowski erzählt in ihrer Kolumne “Things Might” darüber, wie ein Kurator die Monokultur seiner Praxis unterbrach. 

Diesen Herbst bekommt AWC zwei Titelseiten, auf denen sich Englisch und Russisch begegnen. Zwei Sprachen die, mit ihrem kyrillischen und lateinischen Alphabet, für sich widersprechende Europäischer Konzepte ökonomischer und ideologischer Aufteilung stehen. Jene Aufteilung ist nach wie vor umkämpft, das Erbe der Weltkriege als politisch-ökonomische Polarisierung der Welt weiterhin präsent.


Der Status Quo ist: Finanzialisierter Populismus ist auf dem Vormarsch, Spekulationen infiltrieren jede Realität. Nationalisten in Belarus werden von der internationalen Presse als Revolutionäre gefeiert und Trump konspiriert gegen die Antifa als sei diese eine offizielle Organisation mit Briefpapier, Chefsesseln und Regionalbüros, was sie natürlich nicht sind. Aus dem internationale Archiv antifaschistischer Logos, zeigt das Peng! Collective in der aktuellen Chemnitzer Ausstellung ‘Antifa. Mythos & Wahrheit’ wie die Antifa als Symbol neoliberaler Alpträume instrumentalisiert wird. 

Diese Logos zerstreuen wir durch die Ausgabe, um die Materialität von Fake News und Satire gleichzeitig zu thematisieren. Auf ähnliche Weise begegnen wir in Agata Pyzik’s politischer Analyse den Projektionsflächen mit denen Politiker selbstgerecht ihren Lauf nehmen. Elena Abashidze und Antonina Stebur reflektieren wie sich Kunst die in Georgien und Weißrussland entstanden ist ihrer Ökonomisierung fügt.

Die Widersprüche der Geschichte sind schärfer, schneidender als zuvor. Der Schriftsteller Ingo Niermann sowie die Kollektive People of Accent und PiraMMMida besuchen alte Fiktionen und neue Parallelwelten, die dies beleuchten. Sich fortsetzende imperialistische Praxen der ökonomischen und sozialen Diskriminierung, die wir als Muster immer wieder anwenden und nicht schaffen zu verlernen, führen dazu, dass Vorstellungen von Gemeinschaft, Einheit, und Freiheit immer einseitig bleiben müssen. 

Aber eine Einheit müssen viele sein. HEKLER fasst diesen Widerspruch an mehreren Orten der Konvulsion als Kollektiv zusammen. Ira Konyukhova unternimmt den poetischen Versuch inneren Grenzen Durchlässigkeit beizubringen. Eine kulturtheoretische Revision aus der Perspektive Zentralasiens erscheint von Kurator Alexey Ulko.


Die politische Agenda der hyperkapitalistischen Welt, die häufig unter einem illusorischen humanitär-dekolonialen Selbstverständnis leidet, ist ein nicht nachhaltiges Paradies. Denn auch in dessen Zentrum läßt sich der soziale Bruch den es selbst kreiert blicken: Bis zu jeder Ladentheke reicht seine auszehrende Wertschöpfung durch unterbezahlte Arbeitskräften und blutgetränkte Produkte. In ‘Eurothanasia’ wird sichtbar, dass jedes Paradies das wir kennen und im mainstream denken, nachhaltige Imaginationen für die Zukunft sind.

Es bleibt uns nichts anderes, als aus den Scherben der Gegenwart ein Mosaik der solidarischen Politik und eine bessere Zukunft aufzubauen. Alex Kutschanskij entwirft zwischen kosmischen Utopismus der 1960er und der harten Realität der Ukrainischen Gegenwart ein Plädoyer des friedlichen Teilens. Anatolij Uljanovs (Selbst-)Kochrezept ist ein Beispiel wie gesunde Solidarität im Mund beginnen kann.

Lasst uns die Pluralität gemeinsam verhandeln. Eine die erlaubt Realitäten anzusprechen und alle Stimmen emphatisch zu verstehen. Nur damit fangen wir an eine gemeinschaftliche Form von Gesellschaft und deren Handeln zu generieren. 

Yours, Alina Kolar, María Inés Plaza Lazo & Pauł Sochacki. 

 

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