Antiker Leiterwagen mit Geschichte
Zirka im Jahr 1925 handgefertigt für meine fünfjährige Grossmutter und ihre kleine Schwester von einem Stellmacher in Hirschberg (heute Jelenia Goria), zum Spielen und zum Transport von Reisig, Holz, Kartoffel-, Kohlen- und Mehlsäcken.
Masse: 58,5 cm hoch, Achse 63 cm breit, Deichsel ab Gelenk 85 cm lang, Holzgestänge 78 cm lang, 51 cm breit und 22,5 cm hoch. Mit Eisen beschlagene Räder: 44 cm Durchmesser Hinterräder, 33 cm Vorderräder. Dank «Drehschemel-Deichsel» aus Eisen ist das Wägeli sehr einfach und präzise steuerbar. Am Kreuzgriff der Deichsel können es zwei Kinderhände ziehen.
Es ist quasi «unkaputtbar» und noch immer in sehr gutem Zustand. Für mich und später für meine Kinder wurde es jedes Jahr für den Basler Fasnachts-Zyschdig geschmückt. Auch die Kleinen konnten so, auf Räppli- und Dääfi-Beuteln thronend, im Goschdym an der Kinderfasnacht teilnehmen.
Die Erinnerungen meiner Grossmutter sind ganz anders: Im April 1945 marschierte sie auf der Flucht vor der Roten Armee vom Riesengebirge zum Schwarzwald, mehr als 80 Tage lang, zirka 900 Kilometer, mit ihren beiden kleinen Töchtern zur Seite. Sie kämpften sich über den 1200 Meter hohen, tief verschneiten Spindlerpass (Spindlerova sedla), (üb)erlebten Tieffliegerangriffe sowjetischer Kampfflieger, mussten sich vor Plünderungen und sexuellen Angriffen schützen, froren und hungerten. Das Wägeli war schwer beladen mit Decken und Lebensmitteln, meine Grossmutter zog es. Sie äusserte immer grosse Dankbarkeit, wie entscheidend es zum Überleben beigetragen hatte. Sie freute sich, dass es später wieder - wie in ihrer Jugend - dazu diente, dass Kinder Spass haben. Das soll es weiterhin tun.