Vermutlich handgeschmiedete Schere aus Eisen bzw. frühem Stahl, etwa 20 cm lang. Die Form fällt sofort auf: Ein Schenkel besitzt eine normale Schneide, der andere endet in einer breiten, stumpfen, spatelförmigen Klinge. Solche Scheren wurden nicht für feine Textilarbeiten hergestellt, sondern dienten meist speziellen handwerklichen Zwecken, beispielsweise zum Schneiden von Dochten, zum Bearbeiten von Stoffen, Leder oder Filz, oder in einzelnen Regionen auch als sogenannte Kerzen- bzw. Lichtputzscheren. Allerdings fehlen bei Ihrem Exemplar die typischen Auffangbehälter vieler Lichtputzscheren, weshalb die genaue Funktion ohne Herstellerzeichen oder Herkunftsnachweis nicht mit letzter Sicherheit bestimmbar ist.
Die Verarbeitung mit geschmiedeten Griffaugen, dem einfachen Nietgelenk und den asymmetrischen Klingen spricht für eine Herstellung im 19. Jahrhundert. Nach meinem Eindruck dürfte die Schere etwa zwischen 1820 und 1880 entstanden sein. Eine deutlich frühere Datierung ins 18. Jahrhundert ist anhand der Bilder nicht auszuschliessen, wäre aber vorsichtiger zu beurteilen. Für eine Fertigung nach 1900 wirkt das Stück dagegen eher zu handwerklich und archaisch.
Der Zustand ist authentisch und ungeputzt, mit altersüblicher Patina und Korrosion. Schere ist voll funktionstüchtig.