Alexandre Calame & Eugene Verboeckhoven
(Vevey 1810 - 1864 Menton) und (Warneton 1799 - 1881 Brüssel)
Pont sur un torrent au Reichenbach
Öl auf Papier auf Karton
Unten links signiert: "A. Calame" (schwach) darunter "Eugene Verboeckhoven"
Bildmass: 44.5 x 32 cm, Rahmenmass: 64 x 52.5 cm (der Rahmen wird kostenlos mitgegeben)
Rückseitig mit dem roten Siegelstempel der Nachlassauktion "Vente Calame"
Inkl. verso Gutachten vom Schweizer Kunsthistoriker Walter Hugelshofer (1899 Basel – 1987 Zollikon).
Calame hat in seinen frühen Jahren öfters mit Eugène Verboeckhoven zusammengearbeitet. Bei den Kollaborationen war es üblich, dass Calame für die Landschaft zuständig war und Menschen und Tiere von der Hand Verboeckhovens stammen.
Provenienz:
- Vente Calame, Hôtel Drouot, Paris, 12. - 22.03.1865, Nr. 378 (verso Nr. zur Hälfte gut ersichtlich, teils unter Etikett)
- Schweizer Privatsammlung
Literatur:
- Francis Petit: Catalogue de la vente Calame, Paris 1865, S. 25, Nr. 378
Erläuterungen:
Das Werk befand sich bis zum Tod von Alexandre Calame in seinem Atelier und wurde im Rahmen der Nachlassauktion am 17. März 1865 unter der Katalognummer 378 verkauft. Signatur Vergleich Signatur gem. Abbildung 56 "Signature de Calame et Verboeckhoven sur une toile" auf S. 75 des Werkverzeichnisses Anker, Valentina: Alexandre Calame, Vie et oeuvre, Catalogue raisonné de l'oeuvre peint, Fribourg 1987.
Zustand:
Dieses einzigartige Ölbild befindet sich im sehr guten Zustand – natürlich mit minimalen Spuren der Zeit. Die Fotos sind Bestandteil der Beschreibung. Im Jahr 2025 wurden die folgenden restauratorischen und konservatorischen Massnahmen fachgerecht durchgeführt: Ausrahmung, komplette Entstaubung, Oberflächenreinigung, Korrektur einer Fehlstelle, Entfernung div. kl. Retuschen, Ergänzung div. kl. Retuschen, Firnisauftrag sowie eine Konservatorische Einrahmung: Auskleiden des Rahmenfalzes mit Filzstreifen.
Genereller Hinweis: Antiquitäten weisen immer Alters-, Gebrauchs- und manchmal auch Restaurationsspuren auf. Gerne kann vorgängig eine Besichtigung gemacht werden. Ich freue mich auf Ihre Kontaktaufnahme.
Über Alexandre Calame:
Alexandre Calame ist einer der wichtigsten Schweizer Künstler des 19. Jahrhunderts.
Calame war der Sohn eines Marmorarbeiters von Vevey. Mit 15 Jahren trat er in ein Bankgeschäft ein. In seinen Mussestunden begann er sich im Zeichnen zu üben und kleine Ansichten der Schweiz zu kolorieren. Im Jahr 1829 ermöglichte es ihm sein Brotherr, der Bankier Diodati, beim Landschaftsmaler François Diday Unterricht zu nehmen. Nach wenigen Monaten beschloss Calame, sich ganz der Kunst zu widmen.
Seit 1835 stellte er seine schweizerischen Alpen- und Waldlandschaften in Paris und Berlin aus. Sie erwarben sich schnell grossen Beifall, besonders in Deutschland, obwohl Calame mehr Zeichner als Kolorist war. Kein Sujet nimmt durch das ganze künstlerische Schaffen eine solche zentrale Rolle ein, wie die Darstellungen der Umgebung des Berner Oberlandes mit seinen Tannenwäldern, Gebirgsbächen und mächtigen Bergformationen. 1842 ging er nach Paris und stellte hier seinen Mont Blanc, die Jungfrau, den Brienzersee, den Monte Rosa und Mont Cervin aus.
Sein malerisches und zeichnerisches Werk, für das er zahlreiche Auszeichnungen erhielt, ist über diversen europäischen und amerikanischen Museen verstreut.
Beschreibung dieses Sujets:
Ein fantastisches Werk! Im Vordergrund des Gemäldes rauscht ein wilder Bergbach über Felsen und Holzstämme. Eine einfache Brücke – aus gefällten Baumstämmen gefertigt – überquert das Wasser. Darüber treibt ein Hirte mit Stock eine Herde Ziegen auf die andere Seite.
Der Mittelgrund ist von sattem Grün, Sträuchern und hoch aufragenden Tannen geprägt. Die Szenerie wirkt lebendig und natürlich, geprägt von Licht und Schatten. Dahinter türmt sich eine mächtige, steile Felswand auf, die fast die gesamte Bildhöhe einnimmt. Sie dominiert das Gemälde majestätisch und vermittelt die Erhabenheit und Kraft der Natur – ein zentrales Motiv in Calames Werk.
Die Komposition vermittelt ein Gefühl von Naturverbundenheit und Respekt vor der Wildheit der Alpen. Die Szene wirkt ruhig, aber auch dynamisch durch das bewegte Wasser und die fortschreitende Herde. Der Mensch erscheint klein im Verhältnis zur monumentalen Landschaft – ein typisches Merkmal der romantischen Naturauffassung des 19. Jahrhunderts.