Die stille Zeugin
Er weiss nicht mehr, wann er begonnen hat, sie zu beobachten. Nur, dass er nicht mehr aufhören kann.
Seit dem Tod seiner Verlobten Karin ist die Stadt für ihn fremd geworden bis er zufällig an einem Fenster eine Frau entdeckt, deren Ähnlichkeit mit der Toten ihn nicht mehr loslässt. Nacht für Nacht steht er am Waldrand vor ihrer Villa. Was als Trauer beginnt, wird zur Sucht.
Ein Begräbnis folgt auf das nächste in ihrer Familie jedes eine Fessel, die von ihr fällt, jedes bezeugt von einer Eule, die schweigt, wenn andere reden, und ruft, wenn niemand es erwartet. Er folgt ihr durch Messehallen und Hotelbars, durch ein verschwiegenes Séparée und an einen See, wo sie eine Nähe findet, die er sich selbst nie erlaubt hat. Er sieht sie lieben eine Frau, nicht ihn und lernt, was es heisst, das dritte Rad an einem Leben zu sein, das ohne ihn besser läuft.
Und dann, eines Abends, öffnet sie ihm die Tür.
Ein Roman über Obsession und Trauer, über die Geschichten, die wir uns erzählen, um Verlust zu ertragen und über die Frage, ob man einen Menschen je wirklich sieht, wenn man ihn nur beobachtet. Am Ende bleibt, was am Anfang stand: ein Fenster, ein Wald und die stille Zeugin, die alles gesehen hat und nichts verrät.