Original Ölgemälde von Hans Gartmeier (Schweizer Maler)
Länge 65 cm / Höhe 55 cm
Mich dünkt fast, er sei hier», sagte Annemarie Ruefer, die Tochter des 1986 verstorbenen Kunstmalers Hans Gartmeier, an der Eröffnung der Ausstellung im Langnauer Ortsmuseum Chüechlihus. Hans Gartmeier wurde vor 100 Jahren in Langnau sozusagen als Maler geboren. Davon ist seine Tochter überzeugt: «Er konnte nicht anders, das Malen war sein Schicksal.» Schon als Bub versank er beim Malen dermassen in sein Tun, dass er alles um sich herum vergass – sogar, in die Schule zu gehen. Glücklicherweise hatte er verständnisvolle Lehrer, die seine Begabung erkannten und ihn nicht unnötig disziplinierten. Die Eltern versuchten, sein Talent in praktische Bahnen zu lenken, ihn in eine Bauzeichnerlehre zu schickten. Kunst sei ein brotloser Beruf, hiess es. Doch Gartmeier, todunglücklich, lief davon. Auch am Technikum Burgdorf hielt er es nicht aus. Er begann die Ausbildung bei einem Kunstmaler, später besuchte er die Kunstgewerbeschulen Basel und Bern und studierte an der Kunstakademie Düsseldorf. Leben als Exoten «Im Meienried ob Röthenbach lebten wir inmitten von Bauern als exotische Aussenseiter», erzählt Tochter Annemarie Ruefer. Sie und die drei Brüder seien hin und her gerissen gewesen zwischen dem Stolz auf den Künstler-Vater und dem Wunsch, so zu sein wie alle anderen. «Wir waren arm», sagt sie, die Mutter habe das Kunststück vollbracht, den Haushalt mit wenig und nichts in Gang zu halten – beklagt habe sie sich nie. Er malte fürs Volk Obwohl Hans Gartmeier zunehmend Anerkennung erhielt, gelang es ihm nie, daraus entsprechend Profit zu schlagen. Er liess sich Bilder «abläschele», mit viel Rühmen und Jammern, man habe kein Geld. Er malte fürs Volk, nicht für die Reichen, darum wurde er nie reich. Ab und zu nahm er der Haushaltkasse zuliebe Aufträge für Plakate, Buchumschläge und Illustrationen an. Einmal reiste er mit Bildern nach Zürich. Die jüdischen Kunsthändler kauften ihm alle ab, und er kam mit vollen Taschen heim – Taschen voll getragener Kleider, nicht Geld. Dank Hinweisen bekam der Maler eines Tages heraus, dass einige seiner Bilder gefälscht worden waren. Dafür hatte man bis zu 70000 Franken bezahlt, ein Preis, den er selber nie zu verlangen gewagt hätte. Gerichtliche Untersuchungen erbrachten zwar den Beweis, dass es sich um Kopien handelte, aber Täter wie auch Händler konnten sich ungeschoren aus dem Staub machen. «Keine Ahnung, was die Bilder heute wert sind», sagt Ruefer, sie seien wohl ein wenig aus der Mode gekommen. Ein Verkauf sei nicht vorgesehen. 300 Bilder wurden der Schwaar-Stiftung vermacht, als Vermächtnis für die Nachwelt. Die Ausstellung zeigt einen Querschnitt davon. «Wir hatten ihn gern» Die Ausstellung weckt Erinnerungen. Gartmeier sei ein lieber, aber strenger Vater gewesen. So durfte das von ihm oft porträtierte Mädchen nie seine langen Zöpfe abschneiden. Sonntags musste ihn die ganze Familie begleiten. «Da sassen wir den ganzen Tag herum und langweilten uns, während er malte und malte.» An Ostern beizte Mutter die Eier mit Zwiebelschalen, er bemalte sie mit goldenen Osterhasen. «Hätte ich doch nur eines behalten» bedauert die Tochter. Die Kinder hätten sich nie zu malen getraut, zu hoch waren des Meisters Massstäbe angesetzt – «aber wir hatten ihn gern». Gertrud Lehmann >