Vergriffen:
Kühn forderte Gertrud Heinzelmann zum Zweiten Vatikanischen Konzil vom Papst die Weihe von Priesterinnen. Ihre Forderung war 1962 weltweit ein Tabubruch. Die Schweiz reagierte mit Wut, denn die Kirchenkritikerin war auch eine unbequeme Kämpferin für das Frauenstimmrecht. Ihr erging es wie Iris von Roten, der Autorin des Emanzipationsbuches «Frauen im Laufgitter». Die Zeitungen spotteten und höhnten und die Frauenverbände distanzierten sich von der Avantgardistin. «Ich bin», schrieb sie, «mit jeder Faser dem Neuen verpflichtet und behaupte gerade deshalb, ein sehr guter Christ zu sein.»
Gertrud Heinzelmann (1914 – 1999) wuchs in einer liberalen und weltoffenen Kaufmannsfamilie im aargauischen Freiamt auf. Sie kletterte aufs Matterhorn und weigerte sich im Zweiten Weltkrieg, ein Land zu verteidigen, das seinen Bürgerinnen das politische Stimmrecht vorenthielt. Vom Heiraten hielt sie nichts, lieber verdiente sie ihr Geld als Juristin und erste Ombudsfrau der Schweiz. Sie sei, schrieb sie dem Mann, dem sie sich am meisten anvertraute, kein «fader Henkeltopf der göttlichen Gnade», sondern «lieber sich selber und unerhört lebendig».
Mit erzählerischer Leichtigkeit legt Barbara Kopp die Biografie einer internationalen Denkerin vor, zitiert aus ihren Briefen und entwirft das Bild ihrer Zeit.