Ansichtskarten Schweiz - General Guisan & Kaserne La Poya, FR
Postkarte ‘General Guisan mit Truppenkommandanten‘, ungelaufen
und
Postkarte ‘Kaserne La Poya, Ansicht des Areals’ (rückseitig gedruckt: ‘Fribourg. Casernes de la Poya’), ungelaufen
‘… Auf der historischen Fotografie ist General Henri Guisan (zweiter von links, im Profil zu sehen) im Gespräch mit hochrangigen Offizieren der Schweizer Armee abgebildet. Bei dem Treffen handelt es sich um eine Inspektion während eines Truppenmanövers kurz vor oder zu Beginn des Zweiten Weltkriegs
Die weiteren Offiziere auf dem Bild lassen sich wie folgt identifizieren:
Ganz links: Oberstkorpskommandant Ulrich Wille junior (Sohn des Generals Ulrich Wille aus dem Ersten Weltkrieg). Er war während der Mobilmachung Leiter der Ausbildung (Infanterie) und ab 1940 Kommandant des 2. Armeekorps
Mitte (mit Bart, dem Betrachter zugewandt): Oberstdivisionär Jules Borel. Er war Kommandant der 2. Division, deren Truppen traditionell stark in der Westschweiz (u. a. in den Kantonen Freiburg, Neuenburg und Jura) rekrutiert wurden
Ganz rechts (mit weisser Armbinde): Oberstkorpskommandant Hans Prisi, Kommandant des 1. Armeekorps, welches für den Schutz der Westschweiz und der Grenze im Raum Freiburg/Bern zuständig war. Die weisse Armbinde markiert ihn hier sehr wahrscheinlich in seiner Funktion als Übungsleiter oder Schiedsrichter des Manövers …’
Der Eindruck von unterschiedlichen Uniformen bzw. eines möglichen Austauschs mit Französischen Offizieren lässt sich wie folgt widerlegen:
‘… Die Vermutung liegt nahe, da die Uniformen auf den ersten Blick unterschiedlich wirken – es ist hier jedoch kein französischer Offizier dabei. Bei allen vier gezeigten Männern handelt es sich um Schweizer Offiziere. Der Eindruck unterschiedlicher Uniformen entsteht durch drei spezifische Faktoren der damaligen Schweizer Militärordnung:
Unterschiedliche Uniform-Ordonnanzen: In den Jahren 1938 bis 1940 befand sich die Schweizer Armee mitten im Übergang von der älteren, dunkleren Ordonnanz 1914/26 (oft blaugrau/grüngrau) zur neueren, helleren Ordonnanz 1940 (feldgrau). Die Offiziere in der Mitte tragen noch die älteren, dunkleren Waffenröcke mit Stehkragen, während die Offiziere links und rechts bereits modernere, hellere Schnitte tragen.
Gepäck und Abzeichen: Der Offizier ganz rechts (Prisi) trägt zusätzlich eine helle Schiedsrichter- bzw. Übungsleiter-Armbinde am linken Arm und eine Kartentasche, was seine Silhouette und Farbverteilung optisch stark verändert
Kopfbedeckungen (Käppi): Die typisch zylinderförmigen Schweizer Käppis variierten je nach Grad, Funktion und Herstellungsjahr leicht in Höhe und Ausführung (Käppi Ordonnanz 1926 vs. Feldkäppi), weisen aber alle die charakteristische Schweizer Form auf, die den damaligen französischen Képis zwar ähnelte, aber eigenständig war
Historischer Kontext:
Die Schweizer Armee hielt ihre Manöver in dieser kritischen Phase der strikten Neutralität bewusst ohne aktive ausländische Truppenbeteiligung ab. Zwar gab es bis zum Ausbruch des Westfeldzugs 1940 streng geheime Kontakte zwischen Guisan und dem französischen Generalstab für den Fall eines deutschen Angriffs (das sogenannte „Manöver H“), Französische Offiziere traten bei regulären Truppeninspektionen in der Westschweiz jedoch nicht in Erscheinung …’
‘… Die Kaserne La Poya wurde kurz nach dem Zweiten Weltkrieg erbaut, um die alte Kaserne in der Freiburger Unterstadt abzulösen. Die Schweizer Armee nutzte das Areal ab den 1950er-Jahren jahrzehntelang als große Rekrutenschule, vor allem für Übermittlungs- und Logistiktruppen. Im Mai 2023 zog das Militär ab und gab das Areal an den Kanton zurück
Die Geschichte der Kaserne lässt sich in diese prägenden Phasen einteilen:
1950er-Jahre: Die Armee bezog den Neubau an der General-Guisan-Allee, da die bisherigen Räumlichkeiten in der Unterstadt nicht mehr ausreichten
Militärische Blütezeit: Zeitweise war die Poya-Kaserne die größte Rekrutenschule der Schweiz. Die Ausbildung konzentrierte sich primär auf Nachrichten- und Übermittlungssoldaten, später erfolgte 2004 der Wechsel zum Lehrverband Logistik
2022/2023: Das Kommando der Nachschubschulen verließ den Standort. Am 8. Mai 2023 endete die 73-jährige Geschichte mit der offiziellen Schlüsselübergabe an den Staat Freiburg. Die Truppen zogen nach Drognens bei Romont um
2024: Die Gebäude wurden zwischenzeitlich als Bundesasylzentrum genutzt, das jedoch Ende März 2024 geschlossen und an den Kanton zurückgegeben wurde
Heute gehört das 45.000 Quadratmeter große Gelände wieder dem Staat Freiburg. Es gibt bereits einen partizipativen Prozess zur Neugestaltung des Areals, an dem sich die Bevölkerung aktiv beteiligen kann …’
Dokumentarisch und militärhistorisch interessante Bildaufnahmen (Ende 30er und Anfang 70er Jahre), aus der Photographen-Dynastie Mülhauser, Fribourg (Jean/Johann Mülhauser, 1902-1966; Jean Mülhauser, Sohn, 1932-2004)