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Plakat "Weltenuhr" von Ernst Steiner


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1973

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Plakat vom Werk "Weltenuhr" von Ernst Steiner. Masse Plakat 50/66.5cm


Ernst Steiner 1.6.1935 in Winterthur bis 7.9.2024 Wien.

 

«Jenseits des Tages» ist der Titel eines Buches von Ernst Steiner mit Träumen, die auch sein Schaffen nährten und alle realen Motive in eine Sphäre des Visionären hoben. Als Sohn eines Schlossers 1935 in Winterthur geboren, suchte der gelernte Grafiker früh schon die für ihn fruchtbaren Quellen bei alten Meistern wie Hieronymus Bosch oder Alfred Kubin.

Als 20-Jähriger zog er ins brodelnde Kunstklima von Wien, durchlief eine Ausbildung an Akademien und machte zahlreiche Bildungsreisen durch fast alle Länder Europas. Angezogen hatte ihn vor allem die sogenannte Wiener Schule des Phantastischen Realismus, eine Bewegung mit dem Ziel, die Ganzheit des Lebens in die Kunst aufzunehmen. Steiner war religiös ohne Religion, wie Robert Schumann von sich sagte.

Wuchernde Naturbilder

In Galerien Wiens und Münchens gewann er bald ein grosses Publikum, ohne den Bezug zu Winterthur zu verlieren. 1964 in der Galerie ABC und 1965 in der Galerie im Weissen Haus zeigte der Dreissigjährige sein inzwischen gereiftes Frühwerk. Als befremdend und fesselnd wurden seine traumartig wuchernden Naturbilder aufgenommen (zum Beispiel «Lichtkraft», 1964).

Nach wiederholten Ausstellungen entstand ein Kreis von Sammlern. Schnöde abgewiesen wurde jedoch seine Bewerbung um Aufnahme in die Künstlergruppe Winterthur – ein dunkler Fleck in deren Annalen. Den «modernen» Mitgliedern erschien er als fremder Vogel.

Ende der 1980er-Jahre verschwand die Vegetation aus den Bildern und machte symbolträchtigen Figuren und Metaphern oft in leeren, wüstenartigen Räumen Platz.

Unter dem Titel «Imaginationen» zeigte die Galerie im Weissen Haus zum 60. Geburtstag des Künstlers Werke aus den drei Bilderzyklen Klangbilder, Erdbilder und Zeitbilder («Verschlingende Zeit», 1994). Zu Letzteren schrieb der Maler: «Sie sind der Versuch, der Ära der Halbwertzeiten und der Verfallsdaten etwas Überzeitliches entgegenzustellen. In meiner Malerei geht es darum, den Fluss zwischen Diesseits und Jenseits zu unterhalten. Sie ist Nahrung, Freude, Trost und eine Gegenkraft zum Nihilismus.»


Mathematik und Poesie

Um die Verdunkelung der Stimmung zu überwinden, untersuchte Steiner in seinem Spätwerk in zahlreichen kleineren Bildern, die auch als Buch erschienen sind, das «Geheimnis der Gestaltwerdung» mit geometrischen Mitteln, allerdings sehr poetischen («Überschneidungen», 2004). In einer Besprechung in der NZZ schrieb Paul Jandl von einer «Metaphysik des mathematischen Wissens» und von «mathematisch geplanten Ausflügen in die Phantasie».

Ernst Steiner war ein Grenzgänger zwischen Realität und Traum, Existenz und Transzendenz, dem Zeitgeist zum Trotz. Sein Werk mag heute verschollen sein, aber es hat vielleicht ein langes Nachleben.

 

Aus dem Tagesanzeiger von Gerhard Piniel

Publiziert: 16.09.2024

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