Von Horst Kerstan, Kandern, getöpfertes Gefäß mit Deckel, angelehnt an antike japanische Tee Aufbewahrungsgefäße aus der Bezin Region in Japan.
Gebrannt im traditionellen Holzofen (Anagama) über mehrere Tage. Höhe: 18 cm, Durchmesser: 16 cm
Nachfolgend Auszug aus Wikipedia:
Kerstan konnte auf die technischen Erfahrungen an der Werkkunstschule und die seines Vaters aufbauen, als er zur Überraschung seines Meisters Richard Bampi seine erste Kristallglasur schuf. Nach dessen Tod entwickelte er bis 1970 vor allem Kristallglasuren, die er Eisblau und Eierschalenweiß, Apfel- und Magnolienblüte, Moos- und Melonengrün nannte. Dazu schuf er eigens eine Formenreihe von Kugeltürmen, Keulen-, Wellenformen, damit die Kristalle in den stark fließenden Glasuren bei mehr als 1200 °C im Elektroofen aufblühen konnten. Bampi lehrte bereits den Lehrling, sich mit Constantin Brancusi und Hans Arp auseinanderzusetzen. Vor diesem Hintergrund entstanden die ersten großen Skulpturen Kerstans.
Neben den Kristallglasuren wurden die Eisen- und Fellglasuren für Kerstan immer wichtiger, v. a. Tenmoku und Kaki, Goldstaub und Hasenfell, Ölflecken und Forellenhaut. Außerdem lud er wie sein Meister zeitgenössische Künstler zum Arbeiten mit Ton in seiner Werkstatt ein. Bereits 1960 lernte er Horst Antes kennen, der 1964–1971 wiederholt bei ihm tätig war, 1967–1969 war es Otmar Alt, 1980 Bernd Völkle.
Der Besuch des Museums für ostasiatische Kunst in Köln und des Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg 1968 mit einer Ausstellung zu Bernard Leach und Hamada Shoji leitete eine Wende in Kerstans Leben ein. Auf seiner ersten Japanreise 1970 begegnete er Hamada Shoji persönlich. Er inspirierte ihn nicht nur dazu, sich mit traditionellen Keramikformen Südostasiens und denen im eigenen Land zu befassen und etwa Markgräfler Krugformen zu studieren. Hamadas Art des in freier Geste aufgeschütteten Glasurdekors regte Kerstan zur gestischen Glasurmalerei mit Löffel und Schöpfkelle an, zu Glasuraufträgen in Form von Schärpen, Haken und Zungen. Außerdem wurden Fruchtformen wie die Kalebasse immer wichtiger, auch im Geiste von Richard Bampi und Julius Bissier. Schon 1960 hatte Kerstan asymmetrische Formen geschaffen. Das Studium der japanischen Teekeramik ließ ihn die Bewegung der Form auf der Töpferscheibe genauer studieren und nach eigenen Interpretationen suchen.
Japan und seine Keramik übten auf Kerstan eine derartige Faszination aus, dass er 1974–2000 regelmäßig Studienreisen nach Japan, seit 1978 inklusive Korea leitete, um seine Begeisterung für die Keramik weiterzugeben und diese vor Ort selbst besser kennenzulernen. Beeindruckt von den individuell gemauerten Holzbrandöfen und der Keramik mit Ascheanflug konstruierte und baute er seinen eigenen ANAGAMA und führte am 27. Juli 1977 seinen ersten Holzbrand durch, eine Sensation in Deutschland. Er brannte sieben Tage, um eine Temperatur von 1280 °C und mehr zu erreichen, ebenso lange brauchte der Ofen zum Abkühlen. Nach 61 Bränden in 28 Jahren veränderte er seinen Ofen ständig, baute ihn 1988 ganz neu, um die Zugluft optimal zu lenken. Die besonderen Anforderungen dieser Technik beflügelten ihn, Formen, Farben und Dekorationstechniken nach japanischen Vorbildern auszuprobieren und eigenes zu entwickeln. Da die Rohlinge unglasiert in den Ofen gesetzt werden, kommt es umso mehr auf den Charakter des Tons und die Gestaltung der Form, Standort und Stapeltechnik im Ofen an, um den Aschenanflug als Niederschlag auf der Keramik optimal zu nutzen und Farben- und Glasurspiele zu gewinnen. Rillen und Kerben, Stempel- und Muschelabdrücke, Schattenflecken und Strohspuren, eingedrehte Kobaltlinien sind zusätzliche Gestaltungsmittel.
Parallel entwickelte Kerstan seine Glasurkeramik weiter, stellte 1974 die gesamte Produktion auf Gasofen und Reduktionsbrände bis 1400 °C um. Endlich konnte er mit der Entwicklung von Glasuren wie dem Seladon und dem hellblauen Chün beginnen. Das Rot des Ochsenblut trieb er ins Kirschrot und Pfirsichrosé, das Kobaltblau ins Himmelblau, Nachtblau, Königsblau oder Lapislazuli, kombiniert mit Begusszeichen in Ölfleckenglasur. Die Goldstaubglasur gelang nun zuverlässig, darauf eine chün-blaue oder kupferrot-blaue Schärpe. 1983 kam ein Kaisergelb neu hinzu, 1990 das Apfelgrün, beide häufig mit kupferroten Zeichen. Nur die beliebte Ölfleckenglasur geriet nach wie vor im Elektroofen am besten.
Nach der Scheidung von seiner ersten Frau 1986 orientierte sich Kerstan auch künstlerisch neu, begann wieder zu malen und Skulpturen zu fertigen, anknüpfend an die Zeit von Richard Bampi und Julius Bissier, Horst Antes und Otmar Alt. Es entstanden vor allem Tuschen, seine Steine mit Ideogrammen und bunte, stark stilisierte Frauenfiguren.....