Besonderer Beliebtheit unter Briefmarkensammlern erfreuen sich Ersttagsbriefe. Viele Sammler möchten das Sammeln einzelner Briefmarken um Sammlerstücke ergänzen, bei denen die Marken im Zusammenhang ihres Gebrauchs mit Briefen, Karten und Poststempeln stehen. So unterscheidet man das Sammeln von postfrischen Briefmarken, die ungestempelt und mit intakter Gummierung in Alben zusammengetragen werden und das Sammeln von Marken im Gebrauchszusammenhang. In letzterem Sammelgebiet sind Ersttagsbriefe das am weitesten verbreitete Sammlerobjekt. Es handelt sich um frankierte Briefe, bei denen das Datum des Poststempels mit dem Erscheinungsdatum der entwerteten Briefmarke übereinstimmt. Früher galten Briefe und Marken mit einem Ersttags-stempel als absolute Rarität. Sie waren in philatelistischer und historischer Hinsicht besonders wertvoll, da sie politische Umbrüche markierten, wie die Einführung neuer Währungen oder die Begründung neuer Staaten.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelten sich Ersttagsbriefe verstärkt zu einem reinen Sammelobjekt. Sie wurden in Deutschland, Österreich und der Schweiz von den jeweiligen Postbehörden in hohen Auflagen hergestellt und an Händler und Sammler verkauft. Das führte einerseits zu ihrer philatelistischen Entwertung, da nunmehr mit neuen Briefmarken automatisch auch entsprechende Ersttagsbriefe erschienen. Auch ihre Authentizität ist verloren gegangen, da sie in der Regel gar nicht mehr verschickt wurden, sondern explizit für Sammler hergestellt wurden. Andererseits sanken durch die hohen Auflagen die Preise, so dass Ersttagsbriefe mittlerweile zum Repertoire fast jedes Briefmarkensammlers zählen.
Die gezielte Herstellung für den Sammlermarkt führte zu einer aufwändigeren optischen Gestaltung der Briefe. Sie werden häufig mit einem speziellen Ersttagsstempel versehen, der motivisch auf die jeweilige Briefmarke abgestimmt ist. In Deutschland, Österreich und der Schweiz existieren verschiedene normierte Varianten von Ersttagsstempeln. Aus philatelistischer Sicht ist jedoch nicht die Gestaltung des Stempels, sondern ausschliesslich das Datum entscheidend, das mit dem Erscheinungsdatum der Briefmarke übereinstimmen muss. Auch die Gestaltung der Briefe selber hat sich im Vergleich zu klassischen Ersttagsbriefen gewandelt. Während Adressat und Absender nur noch fiktiv sind oder gar weggelassen werden, zeichnen sich die Briefe durch ein- oder mehrfarbige Aufdrucke aus, die motivisch auf die jeweilige Briefmarke abgestimmt sind. Somit zeichnen sich Ersttagsbriefe vor allem durch eine anspruchsvolle ästhetische Gestaltung aus, während sie an Authentizität und Quellenwert eingebüsst haben.
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